Erzgebirgisch Deutsches Wörterbuch

I wie Imstandskastn - Do kammr nischt reituh, sonnrn nur dra vrzweifle


Mundartlich hat sich ein unbetontes "i" in einigen Wörtern hinter "r" und "l" gemogelt: "Milich" (Milch), "Kolich" (Kalk), "Sorich" (Sorge). Vom Wortursprung her ist es gegenüber dem schriftdeutschen beispielsweise noch in "monichr" (mancher) enthalten. Ansonsten tritt das "i" auch häufig an Stelle von "ü": "iwr" (über), "Kinste" (Künste); an Stelle von langem "e": "giehe" (gehen), "stiehe" (stehen); und an Stelle von "ö": "schie" (schön). In Fremdwörtern wird unbetontes "i" häufig zu unbetontem "e": "profetiern" (profitieren), "Presetent" (Präsident).



verübelnd; etwas, was ein anderer tut, mit Verärgerung aufnehmen, empfindlich darauf reagieren
Dos is e Karakter: iebelnammisch un glei eigeschnappt! ... So ein Charakter: übelnehmend und gleich eingeschnappt

über; über- [vorsilben]

überflüssig
Wos is meh als flissig? - Dei Gelapp, dos is iebrflissig! ... Was ist mehr als flüssig? - Dein dummes Gerede, das ist überflüssig!

überhaupt
... un iebrhaupt! ... ... und überhaupt! (Ausruf bei Streit)

überlebt <Verb>
Dar is itze hunnert, dar hot olle iebrlabbt. ... Der ist jetzt hundert Jahre alt, er hat alle überlebt.

überleben <Verb>
Schlimm? - Mor warns iebrlahm! ... Schlimm? - Wir werden es überleben!

überall
S is ieberoll dossalbe! ... Es ist überall dasselbe!

der Überzieher (Mantel); Kondom, Präservativ {Ībǝrtsīhɔr}
Es regnt, namm en Iebrziehr. ... Es regnet, nimm einen Mantel.

ich
Iech bin von do har wo de "Hosen" Husen hasen un den "Hosen" husen hasen ... Ich bin von da her wo die "Hosen" "Husen" heissen und die "Hasen" "Hosen" heissen

gemein; eingeschnappt <Adjektiv>
War mor net ietzsch! ... Nicht so gemein werden!

gucken, schauen <Verb>
Iech iller näste Wuch noch ma rei. ... Ich schaue nächste Woche nochmal vorbei.

älter <Adj.>
Du bist iebrhaupt net illr wurn! ... Du bist überhaupt nicht älter geworden!

heimlich gucken, spähen <Verb>

um, um- (Vorsilbe) [vorsilben]
s is im achte. ... es ist 8 Uhr (um 8)

um und um <))
s gieht rund imedim ... betrunken sein; es dreht im Kopf

umgehen <Verb>
Iech staun, wie die gunge Leit imgiehe. ... Ich staune, wie die jungen Leute umgehen.

umgraben
S Friehgahr kimmt, mir missn noch imgrom. ... Das Frühjahr kommt, wir müssen noch umgraben.

umschauen <Verb>
Die warn siech nochmol imguckn. ... Die werden sich nochmal umgucken.(sie werden sehen, dass sie sich Illusionen gemacht haben)

umkrempeln <Verb>
Dar Träänr wollt de Mannschaft total imkrampln. ... Der Trainer wollte die Mannschaft total umkrempeln.
Mir hamm gesucht, olles imgekramplt ... nischt gefunne. ... Wir haben gesucht, alles umgekrempelt ... nichts gefunden.

umkommen
Sei Vodr is im Krieg imkumme. ... Sein Vater ist im Krieg umgekommen.
Troiches Brut krieng de Hosn, bei uns darf nischt imkumme. ... Trockenes Brot kriegen bei uns die Hasen (im Stall), bei uns darf nichts verderben.
Vur Neigier bie iech ball imkumme. ... Vor Neugier konnte ich es fast nicht aushalten.

um und um

rundherum, rund [orte]
Bei uns giehts immering. ... Bei uns geht es rund.

umsonst; 1. ohne Gegenleistung (kostenlos); 2. ohne die erwartete oder erhoffte [nutzbringende] Wirkung; vergebens, vergeblich
Dar Kuchlschreibr war immesist: Werbung! ... Der Kugelschreiber war umsonst: Werbung.
Uff ne Entschuldschung hob iech immesist gewart. ... Auf eine Entschuldigung habe ich vergebens gewartet.

immer [zeiten]
immr e Mol ... ab und zu

umsehen <Verb>
Iech mecht miech bluß imsah. ... Ich möchte mich bloß umsehen.

umso
... je schnellr, imse bessr. ... ... je schneller, umso besser.

umgraben [wörtlich: umstechen]
Dos Beet muss iech noch imstachn. ... Das Beet muss ich noch umgraben.

umständlicher Mensch [wörtlich: Umstandskasten]

Imzuch, dr
Umzug
Dar Imzuch is erscht im zwehe. ... Der Umzug ist erst um zwei Uhr.
Diesmol is bein Imzuch nicht kaputt gange. ... Diesmal ist beim Umzug nichts kaputt gegangen.

-ung (Endung wie in Wuhning, Ordning)

Innernächte (Zeitraum vom ersten Weihnachtsfeiertag bis Hochneujahr) [siehe auch Huchneigahr] [brauchtumkirche]
Schneid dir ja kenne Haar in de Innernecht! ... Schneide Dir keine Haare während der Innernächte! [brauchtum]

innendrin, inwendig
Innewenich is Futtrstoff. ... Inwendig ist Futterstoff.
Außen war dar Äppel schie, innewenich war er faul. ... Der Apfel sah äußerlich gut aus, inwendig war er faul.

Talglicht
... wenn dr Strom wag war, do gobs bluß Inseltlicht. ... ... wenn kein Strom da war, da gab es bloß das Talglicht.

ist sie
Isse fort? ... Ist sie fort?

ist es
Issis nu gut? ... Ist es nun gut?

ist er
Issr tut? ... Ist er tot?

jetzt [zeiten]
Wu kimst de du itze har? ... Wo kommst du jetzt her?

jetzt, heutzutage [wörtlich: jetziger(s)zeiten]